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Römerzeitliches Museum Bad Waltersdorf

© MUSIS \ Evelyn Kaindl-Ranzinger

In oder um Bad Waltersdorf, der Ort ist bis dato nicht lokalisiert, muss in der Römerzeit ein Friedhof bestanden haben, der in der Völkerwanderungszeit verfiel. Aus den Ruinen dieser zum Teil großen römischen Grabdenkmäler wurde ab dem Mittelalter Baumaterial gewonnen, so zum Beispiel für den Bau der Pfarrkirche, wobei nicht auf Darstellungen oder Verzierungen der Steine geachtet worden dürfte. Andere Steine wurden erst später eingemauert und zwar mit einem neuen Bewußtsein für das Dargestellte. So ist eine Sitzstatue in der barocken Sakristei der Pfarrkirche sichtbar eingefügt worden. Auch der barocke Pfarrhof und die heute weitgehend abgetragene Kirchhofmauer besitzen bzw. besaßen sichtbare Reliefsteine. Später ordnete dann Kaiserin Maria Theresia an, dass aufgefundene Römersteine in Kirchen oder Pfarrhöfe sichtbar einzumauern seien, damit sie erhalten blieben.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits waren die Römersteine von Bad Waltersdorf über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt. Und so begann auch die erste wissenschaftliche Auseinandersetzungmit dem Bestand an römerzeitlichen Skulpturen, die zuletzt vor allem von Erna Diez und Walter Modrijan geprägt wurde.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Römersteine aus dem vorhandenen Bestand genommen und in andere wissenschaftliche Sammlungen verbracht. So findet sich seit 1904 der Wandpfeiler einer mächtigen Grabädikula mit figuralem und floralem Schmuck im Lapidarium des Landesmuseums Joanneum im Schloss Eggenberg. Und das Grabrelief einer Familie mit fünf halbfigurigen Darstellungen befindet sich seit 1914 in Schloss Moosham in Salzburg.
Ab 1960 bemühte man sich in Bad Waltersdorf um eine Zusammenführung der Bestände, eine bessere Präsentation und die damit eine Aufwertung der wertvollen Kulturgüter vor Ort. So wurde 1966 ein Freiluft-Lapidarium vor Pfarrhof und Kirche eröffnet, für das etliche der bislang eingemauerten und nicht oder nur schlecht sichtbaren Steine aus dem Mauerwerk gelöst wurden. Wenngleich damit eine gelungene öffnetliche Präsentation gegeben war, hatte diese Form der Aufstellung auch ihre Nachteile: Mit den Jahren traten an den Steinen sichtbare Spuren der Verwitterung auf, da sie gegen Regen, Schnee und Kälte nicht geschützt waren. Man beschäftigte sich daher bereits seit 1988 mit der Suche nach neuen, bessern Aufstellungsmöglichkeiten.
Als Ergebnis von langen fruchtbaren Diskussionen zwischen der römisch-katholischen Pfarre Bad Waltersdorf als Eigentümerin der Römersteine und der Marktgemeinde Bad Waltersdorf entstand der heutige Bau für die Römersteinsammlung. Architekt Jörg Mayr aus Graz bezog dabei einerseits einen kleinen, ungenutzten Altbau im Pfarrgarten mit ein und gestaltete andererseits mit viel Glas lichte Schaubereiche. Im Mai 1998 konnte das Gebäude von Bischof Johann Weber und Bürgermeister Helmut Pichler eröffnet werden. Nunmehr sind die Römersteine vorwiegend aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. mit provinzialrömischer Abstammung in einer zeitgemäßen und konservatorisch angemessenen Präsentation zu sehen. Zu den Besonderheiten zählt das Relief einer sella curulis (Ehrensitzrelief), ein Tripychon mit zwei Jünglingen und einer Tänzerin sowie Architekturteile und Grabmalsbekrönungen, die mit figuralen Reliefs versehen sind.
Heimo Kaindl